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Geschichte der DDR und BRD im Vergleich
Deutsch-deutscher Konsum der 1970er und 1980er Jahre
von Mike Burkhardt
Nirgendwo scheint ein Vergleich der verfügbaren Möglichkeiten zwischen gewünschten und realen Konsum bemerkenswerter als jener, der die Wünsche der Bevölkerung der ehemaligen DDR und der damaligen BRD ausmachte. Ein im Allgemeinen ausgeprägter Wunsch vieler Bürger in den Staaten des früheren Ostblocks vor 1989 hatte an der unmittelbaren Grenze zwischen Kapitalismus und Sozialismus seine wahrscheinlich höchste Konzentration. Das durch die Mangelwirtschaft geprägte Bestreben in der DDR, ein wenig an der bunten Glitzerwelt des scheinbar Goldenen Westens in Form der Bundesrepublik teilzuhaben, bestimmte spürbar das Leben zahlreicher Ostbürger. Im Verlauf der 1970er Jahre, bedingt durch die Verfügbarkeit stetig neuer Produkt und deren Weiterentwicklungen auf westlichem Gebiet, sorgte die grenzüberschreitende Werbung im Form von Radio, Fernsehen oder bunten Katalogen auch bei der DDR-Bevölkerung für Konsum-Bedürfnisse nach modernen Produkten aller Genres. Ein immer stärker werdendes Ungleichgewicht besonders in der Einschränkungen bei den Rohstoffen und den damit verbundenen Enschränkungen bei der Herstellung eigener Erzeugnisse auf westlichem Niveau machte der Industrie in der ehemaligen DDR spürbare Probleme. Zwar stellte die DDR sehr wohl jede Menge an hochwertigen Produkten her, aber die landeten nicht selten als Export-Artikel auf den Verkaufstischen west-deutscher Warenhäuser. Die damit verbundene Beschaffung von Devisen war für die DDR extrem wichtig. Zwar hatten die Währung der beiden deutschen Staaten die gleiche Bezeichnung "Mark", aber im Gegensatz zur frei konvertierbaren D-Mark der damaligen BRD war die "Mark der DDR" eine reine Inlandswährung und auf dem internationalen Markt grob gesehen nichts wert. Die Konstellation eines ausgewogen Warenaustausches mittels Im- und Export wie der zwischen den westlichen Staaten war als Folge der vielen ungünstigen Umstände zwischen DDR und BRD im Wesentlichen nicht oder schlecht und im speziellen nur extrem einseitig zu Gunsten des Westens gegeben.
Ein direkter Vergleich ausgewählter Produkte, welche sich bei der damaligen DDR-Bevölkerung einer mehr oder weniger erhöhten Beliebtheit erfreuten, gibt einen durchaus relevanten Aufschluss über die Gründe, warum dieser oder jener Artikel im Osten einen wesentlich höheren Stellenwert hatte, als in der westlichen Bevölkerung.

Gründe für das Bedürfnis nach Erwerb westlicher Produkte in der damaligen DDR-Bevölkerung:
● Vergleichsweise modernere technische Produkte im Vergleich zu östlichen Artikeln
● Trendige Modeartikel im aktuellen Design der jeweiligen Zeit
● Besitz westlicher Marken und deren Produkte als Statussymbol
● Verführung durch bunte Hochglanz-Verpackungen und deren Aufmachung
● Als besonders angenehm empfundene Düfte und Aromen westlicher Produkte

Gründe für das Bedürfnis nach Erwerb östlicher Produkte in der damaligen BRD-Bevölkerung:
● Erwerb vergleichsweise hochwertiger Produkte zu einem günstigen Preis gegenüber West-Artikeln

Bemerkenswert ist, dass einige durch den Außenhandel der ehemaligen DDR oder deren Gesellschaften vertriebene Produkte bei Unkenntnis ihrer Herkunft durchaus als westliche Marken galten. Speziell im Bereich der Versandhäuser und deren Kataloge sind diverse Produkt-Marken zu finden, deren Artikel unter anderem auch in der damaligen DDR hergestellt wurden.
◦ Meister Anker - Im VEB Uhrenwerke Ruhla (Thüringen) hergestellte Uhren für den Quelle-Versand.
◦ Geracord - Der Kassettenrecorder" RFT Geracord Modell 6020" aus dem VEB Elektronik Gera wurde in der BRD in leicht geänderter Form als "Bruns Monocord 6019" und "Bruns Monocord 6021" verkauft.
Unter dem Marken-Namen "Bruns" verkaufte die DDR bereits seit den 1950er/60er Jahren zahlreiche Produkte des Genres Heimelektronik in der BRD.
◦ Bruns - Export-Handelsmarke der ehemaligen DDR (Nordkanalstraße 46, 2000 Hamburg 1)
Die meisten Produkte aus der DDR behielten allerdings auch als Export-Artikel ihren originalen Namen der Marke oder des Herstellers wie beispielsweise Uhren aus Glashütte (Sachsen). Auch eine Variante des Kassettenrecorders Geracord Modell GC-6010 Portable konnte auf dem französischen Markt unter seinem richtigen Namen erworben werden. Nur die vorderen Aufdrucke auf dem Gehäuse wie Memory oder Stereo waren durch ein französisches Memoire und Stéréo ausgetauscht worden.

Was die ohnehin schon recht gut gefüllten Regal des Westens um das eine oder andere Ost-Produkt erweiterte, war für die Bevölkerung im Handel der DDR nicht selten ein sogenannter Luxusartikel und somit entweder relativ schlecht und wenn, dann meist sehr teuer zu erwerben. Allerdings waren im Gegensatz zur BRD die Lebenshaltungskosten durch staatliche Subventionen unschlagbar niedrig, was sich in extrem günstigen Mieten und ganz besonders in den Preisen der Grundnahrungsmittel äußerte.
Konsum und Handel - Geschichte der DDR und BRD im Vergleich
Konsum aus dem Handel in der DDR und der BRD im Vergleich
Ein Überblick zu ausgewählten Konsum-Artikeln aus Ost und West der 1970er und 1980er Jahre
Grundlagen aus dem System der ehemals beiden deutschen Staaten
Die Macht der bunten Verpackungen aus den 1970er und 1980er Jahren
Die Macht der bunten Verpackungen
von Mike Burkhardt

Der Mensch konsumiert in erster Linie zunächst rein visuell, bevor er sich durch die Art der Visualisierung mehr oder weniger dazu verleiten lässt, den bereits optisch konsumierten Gegenstand zum Objekt der Begierde zu machen. Dieser natürliche Effekt, einen zunächst optisch wahrgenommenen Gegenstand haben zu wollen, ist bereits bei Kleinkindern deutlich zu erkennen und basiert grundlegend auf ein und denselben Effekt. Bevor die Form und die daraus resultierende Art eines Objekts wahrgenommen oder erkannt wird, sind es in erster Linie die Farben oder deren Kombination, welche in wenigen Sekunden darüber entscheiden, ob man daran Gefallen findet oder nicht.
So fasziniert ein farbenfrohes Bild ein Kind ebenso wie eine effektvoll inszenierte Verpackung diverser Alltagsgegenstände aus der Welt der Erwachsenen. Eine mit leuchtendendem Color versehene Hülle für ein Produkt suggeriert einen modernen Artikel. Glitzernde Aufmachung oder schillernde Metallic-Applikationen unterstreichen den trendigen Charakter einer Aufmachung und sind als wohlplatziertes Highlights ein weiterer Eyecatcher.
Ein in buntem Glanzpapier verpackter Kaugummi muss einfach schmecken und das vom Hersteller gezielt beigefügte Sammelbild mit ebenso bunten Abbildung einer zeittypischen Illustration ist ebenfalls ein guter Grund, das Produkt haben zu wollen in einfacher oder gar mehrfacher Ausführung.
Die große Welt der Werbung in Form ansprechender Verpackungen war in der ehemaligen DDR eher nüchtern angesiedelt als farbenfroh und bunt. Dies ist zum einen in der Ideologie des damaligen DDR-Systems ursächlich, wo ein nüchterner Hinweis auf den Inhalt einer Verpackung eher zweckmäßig sein sollte und dann natürlich der chronische Rohstoffmangel für die Herstellung moderner Verpackungen.
Da Menschen aber nicht prinzipiell zweckmäßig denken, sondern sich gerne von visuellen Reizen locken lassen, machten die meisten ostdeutschen Produkt-Hüllen eine nicht ganz so gute Figur wie der größte Teil der westlichen Verpackungs-Models.
Zumindest gab es in der damaligen DDR eine flächendeckende Kenntnis, dass es jenseits einer Grenze in westlicher Himmelsrichtung Dinge zu kaufen gab, wo allein schon die Verpackung ein guter Grund zum Geldausgeben war. Hieraus lässt sich zum Beispiel ein prozentual recht weit verbreitetes Phänomen erklären, das ein DDR Bürger in den meisten Fällen eine westliches Produkt nach Möglichkeit immer mit seiner Verpackung aufbewahrte. Besonders bei Drogerieartikeln wie Rasierwasser oder Seife wurde die Verpackung stets aufgehoben und nicht selten zur Dekoration des Bades mitverwendet. Ein weiteres Phänomen war es, das wertvolle Stück West-Seife zwischen den Hand- und Badetüchern im Schrank aufzubewahren, damit Selbige den Duft annehmen konnten.
Kinder in der DDR liebten die saftig-weichen Kaugummis aus dem Westen mindestens ebenso sehr wie die Kids aus dem Westen. Da auch hier die Theorie gilt, das Mangel die Bedürfnisse steigert, stand der Wert eines echten Bubble Gums unstreitig höher in der Gunst des ostdeutschen Nachwuchses als bei den gleichaltrigen Kindern im Westen. Besonders je Kaugummis, die neben dem eigentlichen Produkt noch eine kleine Zugabe in Form eines Sammelbildes enthielten, galten bei Schülern der Mittelstufe in den 1970er Jahren als wichtiger Besitz. Fußballbilder oder Comics waren selten vollständig als Sammlung in der DDR zu finden, weil sich der dafür notwendige Kaugummi ja nicht am heimischen Kiosk kaufen ließ, sondern beispielsweise durch Verwandte bei deren Besuche im Osten mitgebracht werden musst.
Hatte ein Kind zum Beispiel einen verwandtschaftsbedingt guten Draht zu altersgerechten Produkten aus dem Handel der BRD, sorgte dies zwar gegenüber Schülern ohne Westverwandtschaft für ein gewisses Ungleichgewicht, erreichte allerdings bei weitem nicht das Niveau an manchen Schulen der heutigen Zeit, wo der Besitz diverser moderner Marken ein wesentlicher Bestandteil der Jugendkultur ist und nicht selten eine unabdingbare Notwendigkeit darstellt.

 
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